Indien: Verbot von Handel mit Schlachtrindern heizt Spannungen an

Neu Delhi (dpa) - Die unbarmherzige Sonne verschwindet vom Himmel über der indischen Hauptstadt. Im Basar um die gewaltige Jama-Masjid-Moschee in der Altstadt brechen die Menschen nach einem erneuten Tag mit Temperaturen weit über 40 Grad ihr Fasten. Bei aller Enthaltsamkeit im Fastenmonat Ramadan wollen sie dabei auf eines nicht verzichten: Kebab aus Rindfleisch. Doch es ist unklar, wie lange das noch zu kaufen sein wird. Indiens Umweltministerium hat vor kurzem ein landesweites Verbot des Handels mit Rindern als Schlachtvieh verhängt, das Kritiker als De-facto-Rindfleischverbot und als diskriminierend gegen Moslems empfinden - auch, weil es das bei Muslimen beliebte Büffelfleisch miteinschließt. Als «ungerecht» empfindet das Mohammed Shakir, der eine winzige, aber beliebte Kebab-Stube in einer der engen, belebten Gassen des Basars betreibt. Das scharf gewürzte Fleisch, das an seinen Spießen brutzelt, stammt vom Büffel. «Wir müssen doch arbeiten.» Mit der Maßnahme schade die regierende hindu-nationalistische Partei BJP nur den Armen und treibe einen Keil zwischen Hindus und Moslems, meint der 73-jährige Babuddin, der mit seinem Enkel über den Basar schlendert. Der Preis für Büffelfleisch sei zuletzt deutlich gestiegen. Das Tier ist in Indien eine günstige Alternative zu Lamm und wird von der Hindu-Mehrheit zwar üblicherweise nicht gegessen, aber im Gegensatz zur Kuh auch nicht als heilig betrachtet. Schon vor dem neuen Verbot durften in den meisten der 29 Bundesstaaten keine Kühe geschlachtet oder gegessen werden. Zudem greifen selbst ernannte Kuhbeschützer bisweilen Menschen an, die Kühe transportieren, weil sie sie verdächtigen, diese zur Schlachtung zu führen. Meist sind die Opfer Muslime, manche von ihnen sind sogar zu Tode geprügelt worden. Trotzdem ist Indien einer der weltweit größten Exporteure von Rindfleisch. Das schließt allerdings Büffel mit ein. In Indien leben nach staatlicher Schätzung mehr als 100 Millionen Wasserbüffel als Nutzvieh - mehr als die Hälfte des weltweiten Bestandes. Offiziell exportiert Indien kein einziges Kilo Kuh-, sondern ausschließlich Büffelfleisch. In Landesteilen mit hohem muslimischen Bevölkerungsanteil hat es Proteste gegen das Verbot gegeben. Die Regierungschefs einiger Bundesstaaten haben erklärt, sich von der Zentralregierung nicht vorschreiben zu lassen, was ihre Bürger essen dürfen. Dabei entstand das Verbot gar nicht auf Initiative der BJP von Premierminister Narendra Modi, sondern von einer jungen Tierschützerin namens Gauri Maulekhi. Ihr Gesuch an den Obersten Gerichtshof, den Rinderschmuggel ins Ausland einzudämmen, musste die Regierung auf Anordnung des Gerichts umsetzen. Der Rinderhandel werde in Indien von organisierten Verbrechern beherrscht, und die Bedingungen für die Tiere seien «schlimmer als der Tod», sagt die Aktivistin von der indischen Organisation «People for Animals» im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Das Fleisch werde unter anderem deshalb über die Grenzen geschmuggelt, weil im Ausland bekannt sei, dass in Indien nicht gegen Maul-und-Klauen-Seuche geimpft werde, so Maulekhis Darstellung. Erst in der vergangenen Woche wurden in Thailand mehr als 30 Tonnen geschmuggeltes Kuh- und Büffelfleisch beschlagnahmt. Die einzigen Opfer des Verbots seien die Mitglieder der «Rinder-Mafia», von denen sie nun Todesdrohungen bekomme, ist Maulekhis Sicht der Dinge. Bauern könnten vom Verkauf von Milchprodukten leben. Das sieht Fauzan Alavi, Sprecher des Verbands indischer Fleischexporteure, ganz anders. Die Bauern könnten es sich nicht leisten, Rinder nur für ihre Milch zu halten. Das Verbot sei auch aus der Sicht des Tierschutzes unsinnig, da es nicht für Hähnchen und Schafe gelte. Und: «Es könnte dem Handel mit Fleisch und Leder ein Ende setzen.» Es ist unklar, ob die Nationalregierung versuchen wird, das Verbot auch gegen den Widerstand einzelner Bundesländer und der Exporteure durchzusetzen. Umweltminister Harsh Vardhan hat zuletzt erklärt, die Kritik an der Maßnahme abwägen zu wollen. Kebab-Verkäufer Shakir ist jedenfalls zuversichtlich, dass ihm in der kosmopolitischen Hauptstadt niemand so schnell in die Speisekarte pfuscht: «Das hier ist Delhi - solche Regeln können die hier nicht durchsetzen.» (Bild: Andreas Hermsdorf/pixelio.de)



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