Indonesien: Islamischer Extremismus und Stimmungsmache gegen Chinesen vor Wahlen

Von Ahmad Pathoni, dpa In Indonesien kochen vor den Wahlen in der Hauptstadt religiöse und politische Spannungen hoch. Die chinesische Minderheit im Land sieht sich mit Vorurteilen und Anfeindungen konfrontiert. Jakarta (dpa) - Die roten Laternen und Drachen baumeln von den Giebeln der Einkaufscenter in Indonesiens Hauptstadt Jakarta. Sie sollen das Mondneujahr begrüßen, das nach chinesischem Kalender an diesem Samstag beginnt. Doch in Indonesien, in dem chinesischstämmige Bürger einen Bruchteil von rund zwei Prozent der Bevölkerung ausmachen, sorgt die hohe Kulturpräsenz anlässlich ihres wichtigsten Feiertags auch für Unmut. «Wir wurden von unseren Gemeindeführern aufgefordert, die Festlichkeiten für das Chinesische Neujahr etwas zu dimmen und nicht zu dick aufzutragen», berichtet die Bankangestellte Amie Liem. Aktuell gibt der Wahlkampf in Jakarta den Spannungen zwischen der mehrheitlich muslimischen Bevölkerung und der chinesischen Minderheit Zunder: Mitte Februar will sich der Gouverneur der Zehn-Millionen-Metropole, der chinesischstämmige Christ Basuki Tjahaja Purnama, wiederwählen lassen. Mit einer Äußerung zur Koranauslegung zog der eigentlich beliebte Politiker jedoch im September den Ärger vieler Muslime auf sich: Er hatte einigen politischen Rivalen vorgeworfen, einen Koranvers gegen ihn einzusetzen, welcher Muslimen nahelegt, sich nicht mit Christen oder Juden zu verbünden. Seine Gegner, allen voran die Hardliner-Gruppe der «Islamischen Verteidigungsfront», bliesen zu Protesten gegen die angebliche Verunglimpfung des Islams. Ihnen schlossen sich im Dezember mehr als 200 000 Demonstranten an. Eine offizielle Anklage wegen Blasphemie hält Purnama nicht vom Wahlkampf ab. Jedoch facht der Zorn gegen ihn die Ressentiments gegen die chinesische Gemeinde an. «Taxifahrer fragen mich oft, ob ich Chinesin sei, weil ich chinesisch aussehe», sagt Liem. «Das fühlt sich unbehaglich an.» Ihren Anteil an der hitzigen Stimmung leisten Gerüchte und Falschmeldungen, die in sozialen Medien die Runde machen. Zum Beispiel, dass Indonesien von Millionen illegaler chinesischer Arbeiter überflutet werde. Oder, dass die Chinesen heimlich planten, das Land zu destabilisieren. Chinas Botschaft in Jakarta sah sich gezwungen, einige Behauptungen als «sehr beunruhigend» zurückzuweisen. «Die ethnischen und religiösen Spannungen, die unseren Pluralismus bedrohen, werden von politischen Interessengruppen unterstützt», meint der Politik-Analyst Emrus Sihombing von der christlichen Pelita Harapan Universität. «Ich glaube, dass die große Mehrheit der Indonesier tolerant ist. Aber wir müssen wachsam sein, und einer noch so kleinen Bedrohung der Einheit muss etwas entgegengesetzt werden.» Wenn auch zahlenmäßig kaum bedeutsam unter 250 Millionen Indonesiern, stehen Chinesischstämmige lange schon wegen vermeintlichen Wohlstandes und angeblicher wirtschaftlicher Dominanz in Verruf. Bis ins Jahr 2000 untersagte ein Verbot des früheren Präsidenten Suharto (1968-1998) den öffentlichen Ausdruck ihrer Kultur. Der Diktator selbst musste nach 32 Jahren Herrschaft inmitten der asiatischen Finanzkrise zurücktreten, nachdem es zu Pogromen gegen chinesische Geschäfte gekommen war. Heute darf die Minderheit ihre kulturelle Identität frei leben. Die Regierung hat das Chinesische Neujahrsfest sogar zum Nationalfeiertag erklärt. «Schon seit der niederländischen Kolonialzeit sind die Chinesen immer der Prügelknabe gewesen, auch wenn sie einfach nur in Frieden ihren Geschäften nachgehen wollen», sagt die Kulturwissenschaftlerin Retno Sukardan Mamoto von der Universität Indonesia. Als Politiker mache man sie schnell zum Sündenbock. Der Präsident des Landes, Joko Widodo, sei mit der Situation bislang gut umgegangen, sagt Mamoto: Er traf sich mit islamischen Führern des Landes, um die Spannungen zu besänftigen. Er habe aber gleichzeitig seine Autorität eingesetzt und die Sicherheitskräfte zur Ordnung gerufen, das Landesmotto «Einheit in Vielfalt» nicht zu gefährden. Joko, ein Verbündeter Purnamas, sah sich selbst während seines Wahlkampfes 2014 einer Schmutzkampagne ausgesetzt, als Gerüchte kursierten, er sei der Sohn chinesischer Kommunisten. Die Bankangestellte Liem sagt, sie werde trotz allem am Samstag mit ihren chinesischen Freunden ausgehen, um das Jahr des Hahnes zu begrüßen. «Wir werden die Politik vergessen und Ente verspeisen.» (Bild: tokamuwi/pixelio.de)



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