Industrie 4.0 weckt Sorgen um Standorte in Asien

Singapur (dpa) - Piff-paff - so beschreibt Lutz Seidenfaden die Arbeit eines herkömmlichen Schlittens, der in der Industriefertigung Teile bewegt, hin-her, hin-her. «Das ist ein Teil mit überschaubarer Intelligenz», sagt der IT-Spezialist der Esslinger Firma Festo in Singapur. Dann zeigt er begeistert, was Komponenten voller künstlicher Intelligenz heute leisten können, etwa Alarm schlagen, bevor eine Maschine ausfällt. Etwa, wenn die Temperatur steigt: «Ich bin Achse x, ich habe Fieber, schaut mich an.» Seidenfaden illustriert so die neue Welt der Industrie 4.0, in der intelligente Komponenten miteinander kommunizieren, ihre eigene Wartung, Nachschub und Bestellungen organisieren können und vieles mehr. Intelligente Maschinen können auch ganz auf den Einzelkunden zugeschnittene Produkte in kleinen Mengen kostengünstig fertigen. Festo bietet Automatisierungslösungen in aller Welt, und Asien ist ein wichtiger Markt. «Der Asiate hat im Hinblick auf Flexibilität noch höheren Bedarf als der Deutsche», sagt Seidenfaden. «Hier wird weniger geplant, vieles spontaner gemacht.» Doch die fortschreitende Automatisierung, 4. industrielle Revolution genannt, weckt in Asien Ängste. Was wird aus dem Standortvorteil mit niedrigen Löhnen, wenn immer mehr Maschinen Fertigung übernehmen? «Billige Arbeitskräfte haben Asien einen Standortvorteil verschafft. Aber mit den fallenden Kosten durch Automatisierung muss die Region ihre Talentförderung ausbauen», analysierte das World Economic Forum (WEF) gerade bei einer Konferenz mit 500 regionalen Unternehmern, Politikern und Analysten in Malaysia. In Vietnam arbeiten 41 Prozent der Beschäftigten als ungelernte Kräfte, auf den Philippinen 33 Prozent. «Wir müssen die Ausbildung umkrempeln», sagt Kathleen Chew, Chefjuristin der YTL Corporation in Malaysia. «Es wird zu viel auswendiggelernt, wir brauchen aber Kommunikatoren und Problemlöser», meinte der indonesische Bildungsminister Anies Baswedan. «Die Revolution kommt extrem schnell - kommt endlich in die Hufe!» beschwor der Chef der norwegischen Telekomfirma Telenor, Sigve Brekke, die Asiaten. «Ich kam mir hier vor wie in einer Sitzung alter Männer in Europa», sagte der Verwaltungsratschef der Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG), Hans-Paul Bürkner, Jahrgang 1952, am Rande der Konferenz. «Ich war erstaunt, wie stark das Thema Verlust von Arbeitsplätzen durch die 4. industrielle Revolution betont wird.» Dabei hält er Schreckgespenste von der menschenleeren Fabrik für völlig überzogen. Die vielen billigen Arbeitskräfte hinderten aber Firmen in Asien womöglich daran, auf den Automatisierungszug aufzuspringen. «In jedem Fall ist Industrie 4.0 eine Chance die Wettbewerbsfähigkeit am Standort Deutschland zu erhöhen», meint Hartmut Rauen, Mitglied der Hauptgeschäftsführung beim Maschinenbauverband VDMA. Technologie, Partner und Kunden seien da. «Deutschland gewinnt an Attraktivität, weil man hier am ehesten in der Lage ist, das umzusetzen.» So könne man dadurch Investitionen und Arbeitsplätze in Deutschland gewinnen. Auch Constanze Kurz von der IG Metall sieht die Chance: «Es gibt wenig empirische Evidenz, aber erste Indizien dafür», sagt die Leiterin des Ressorts Zukunft der Arbeit beim Vorstand der IG Metall. Dass allerdings Produktion durch Industrie 4.0 zurück nach Europa verlagert werden könnte, bezweifelt Rauen. Der Grund, etwa in China Fabriken zu bauen, sei eher die Nähe zum Kunden gewesen. Ähnlich sieht man das beim Maschinenbauer Trumpf: China habe man nie als verlängerte Werkbank gesehen, sondern dort Maschinen für die lokalen Bedürfnisse gebaut und auch verkauft, so eine Sprecherin. Gerade in China sei ein großes Interesse an Industrie 4.0 zu sehen. «In China ist das Thema auch bei deutschen Firmen beliebt, weil dort Dinge ausprobiert werden können, die hier undenkbar wären, wie Bio- oder Bewegungsprofile von Mitarbeitern», sagt IG-Metallerin Kurz. (Bild: Dieter Poschmann/pixelio.de)



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