Philippinen: Armut bleibt Problem im Schatten des Apec-Gipfels

Manila (dpa) - Ludy Santos wiegt ihr schreiendes Baby im Arm und schickt ihren Mann los zum Einkaufen. Sie reicht ihm ein paar Geldscheine und sagt mit einem zahnlosen Lächeln: «Fertignudeln und Brot.» Für mehr wird es bei der neunköpfigen Familie aus einem Armenviertel Manilas auch an diesem Tag nicht reichen. Familie Santos lebt seit 20 Jahren in einer morschen Hütte auf einer Müllhalde im größten Slum der philippinischen Metropole: Tondo. Den dürftigen Lebensunterhalt verdienen Ludy und ihr Mann, indem sie Schrott und Abfälle durchstöbern und Wiederverwertbares an Händler verkaufen. «Es wäre schön, irgendwo anders zu leben, irgendwo, wo man nicht mit dem Geruch und Anblick von Müll schlafen geht und wieder aufwacht», sagt die 34-Jährige. Manchmal sei sie selbst überrascht, dass sie es bisher immer geschafft habe, ihre Kinder zu ernähren - aber die Angst schwingt in ihrer Stimme mit, dass sich das eines Tages ändern könnte. Ludy Santos ist nur einer von schätzungsweise 1,6 Milliarden Menschen, die im Asien-Pazifik-Raum in tiefster Armut am Rande der Gesellschaft und von weniger als zwei Euro am Tag leben. Während in Manila die Staats- und Regierungschefs der Apec-Länder tagen und den Wirtschaftsboom der Region preisen, scheint die Lücke zwischen Arm und Reich in vielen der 21 Mitgliedstaaten immer weiter zu klaffen. «Trotz der wirtschaftlichen Entwicklung und der reichlichen Ressourcen bleiben Millionen Menschen weiter auf der Strecke», warnt Riza Bernabe von der britischen Hilfsorganisation Oxfam. Asien brauche einen neuen Ansatz für seine Wirtschaftsentwicklung, bei dem die Zukunft armer Menschen an vorderster Stelle stehe und die Umwelt nicht weiter der Profitgier geopfert werde. Der Fokus werde derzeit viel zu sehr auf die Schaffung der größten Freihandelszone der Welt (Transpazifische Partnerschaft - TPP) gelegt - und viel zu wenig auf Investitionen in Bildung und Gesundheitswesen, auf die Förderung der Menschenrechte, die Gleichstellung der Frauen und den Schutz der Umwelt, meint Bernabe. Als Ko-Autorin hat die Wirtschaftsexpertin einen Oxfam-Bericht über die zunehmende Ungleichheit in Asien verfasst. Viele in Tondo und anderen Armenvierteln wünschen sich, dass sich die Mächtigen der Region einmal vor Ort ein Bild vom Lebensalltag der Slumbewohner machen - so auch die 67-jährige Großmutter Erlinda Flores. «Warum schämen sie sich für die Armen und verstecken uns?», fragt sie. Zeitungen hätten berichtet, viele Obdachlose seien im Vorfeld des Gipfels von Sicherheitskräften aus dem Stadtzentrum vertrieben worden. Durch Müllsammeln und den Verkauf von selbstgekochtem Essen an einem kleinen Stand hat Flores all ihren zwölf Kindern eine Schulbildung ermöglicht. Dennoch fehlt es oft am Nötigsten, im Slum gibt es fast nirgendwo legale Wasser- und Elektrizitätsleitungen. «Manche haben nicht einmal eine Toilette», erzählt sie. Tatsächlich lebt nach neuesten Zahlen der Regierung mehr als ein Viertel der 100 Millionen Einwohner in Armut - und das, obwohl die Philippinen nach China mit dem zweitschnellsten Wirtschaftswachstum der Region glänzen. Die Menschen in Tondo spüren davon bisher nichts. Mit süßlich-modrigem Müllgestank in der Nase kämpfen sie tagein, tagaus für ihr Überleben. Denn das Wichtigste sei es nach wie vor, Essen auf den Tisch zu bringen, meint Ludy Santos. Und seien es nur Fertignudeln und Brot. (Bild: Miroslaw/pixelio.de)



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