Mongolei: Differenzen über Minenerweiterung

Von Ana Radic, dpa

Die Mongolei ist reich an Rohstoffen. Aber es herrscht Streit, wie der Schatz gehoben werden soll. Kann der neue Regierungschef Investoren versöhnen und die Bevölkerung am Wohlstand beteiligen?

Ulan Bator (dpa) - Die Mongolin Oyuntungalag Tserendulam setzt sich in ihrem Laden vorsichtig auf einen Stuhl. Die 80-Jährige hat miterlebt, wie die Mongolei von einem kommunistischen Anrainerstaat der Sowjetunion zur einzigen Demokratie Zentralasiens wurde. Die große Aufbruchsstimmung kam auf, als Bodenschätze unter den kargen Wüsten und Steppen entdeckt wurden. „Plötzlich waren wir reich“, erinnert sich die Ladenbesitzerin. Als Geologen immer neue Vorkommen von Kohle, Kupfer und Eisenerz fanden, wurde das Land zu einem international gefragten Investitionsziel.

Aber ein Streit über den Umgang mit den Rohstoffen entzweit das Land. Vor rund zwei Wochen zerbrach die Regierung an einem Misstrauensvotum gegen Ministerpräsident Norow Altanchujag. Seit Freitag steht Chimed Saikhanbileg als Nachfolger fest, aber auch er hat einen schweren Stand. „Die Umstände seiner Wahl waren ja sehr chaotisch, so dass es schwer vorzustellen ist, dass er den Rest der Legislaturperiode überlebt“, sagt der Mongolei-Experte Julian Dierkes von der University of British Columbia der Deutschen Presse-Agentur. Saikhanbileg war von der gleichen Koalition ins Amt gewählt worden, in der Altanchujag kurz zuvor gescheitert war.

Unter dem stoischen Blick des bronzenen Dschingis Khan vor dem Parlamentsgebäude drehen Kinder ihre ersten Runden auf buntbedruckten Fahrrädern. Am anderen Ende des Platzes überragt ein Turm aus Stahl und Glas das Abgeordnetenhaus. In dem Wolkenkratzer sitzt der Bergbaukonzern Rio Tinto, dessen Großprojekt im Süden des Landes für den Traum vom schnellen Reichtum steht.

Doch der Ausbau der Oyu-Tolgoi-Mine stockt. Die mongolische Regierung und der multinationale Konzern streiten seit Monaten über die Erweiterung der riesigen Kupfer- und Goldmine. Bei Rio-Tinto-Chef Sam Walsh wächst trotzdem die Hoffnung auf eine Lösung des Konflikts. Ein neuer Ministerpräsident könnte die festgefahrene Situation lösen, deutete er kürzlich in einem Fernsehinterview an: „Ich hoffe, dass es positive Impulse gibt.“

Bei voller Auslastung könnte die Oyu-Tolgoi-Mine ein Drittel des mongolischen Bruttoinlandsprodukts ausmachen. Das Gemeinschaftsprojekt, an dem der Staat zu 34 Prozent beteiligt ist, wird auch für den neu gewählten Ministerpräsidenten eine große Herausforderung sein. „Die Regierung sollte sich darauf konzentrieren, das Projekt Oyu-Tolgoi wieder ans Laufen zu bringen“, meint Mongolei-Experte Dierkes. In den Rohstoffen stecke das Potenzial der Mongolei.

Bei Ladenbesitzerin Tserendulam hat von diesem Potenzial noch nicht viel gemerkt. Von der Tür ihres Geschäfts aus blickt sie auf die Straße, die die Hauptstadt mit dem Osten des Landes verbindet. In den riesigen Schlaglöchern schwimmt Wasser. An vielen Stellen fehlt der Asphalt. Mit dem Erlös aus den Rohstoffen soll vor allem die Infrastruktur ausgebaut werden. Auch die neue Regierung wird sich daran messen lassen müssen.

(Bild: La-Liana/pixelio.de)



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