Thailand: Sekte soll Millionen veruntreut haben

Bangkok (dpa) - Der alte Abt war den großen Auftritt gewohnt. Wenn Phra Dhammachayo früher seine Lesart des Buddhismus erläuterte, hörten ihm manchmal Hunderttausende zu. Und der vielleicht bekannteste von Thailands 300 000 buddhistischen Mönchen machte keinen Hehl daraus, dass er das genoss. Auf den Bildern von einst steht ihm die Zufriedenheit ins Gesicht geschrieben. Zum Gewand im satten Orange trug er Sonnenbrille und ein Lächeln auf den Lippen. Doch jetzt ist der 72-Jährige seit Monaten komplett von der Bildfläche verschwunden. Grund: Der Mönch - bürgerlicher Name: Chaibul Sutthipol - wird wegen Geldwäsche und Veruntreuung mit Haftbefehl gesucht. Insgesamt geht es um 1,4 Milliarden thailändische Baht, umgerechnet etwa 38 Millionen Euro. In dem 67-Millionen-Einwohner-Land (von denen mehr als 90 Prozent Buddhisten sind) beherrscht der Fall seit Wochen die Schlagzeilen. Dabei geht es nicht nur um Religion, sondern auch um Politik. Thailands aktuelle Militärregierung - seit Mai 2014 an der Macht - schreckte lange Zeit davor zurück, sich mit Dhammachayos einflussreicher Sekte anzulegen. Mehrfach schon waren Polizei und Militär vor deren Tempel-Komplex Wat Phra Dhammakaya, einer riesigen Anlage außerhalb von Bangkok, aufmarschiert. Dann zogen sie unverrichteter Dinge wieder ab. Mitte Februar ließ Ministerpräsident Prayut Chano-cha den «Ufo-Tempel», wie er wegen seines futuristischen Aussehens auch genannt wird, dann doch durchsuchen. Über Tage hinweg waren mehr als 4000 Polizisten und Soldaten im Einsatz. Ohne Erfolg: Dort, wo der alte Abt sein sollte, fanden sie nur ein leeres Bett, mit Kissen vollgestopft. Manche vermuten, dass sich Phra Dhammachayo schon länger ins Ausland abgesetzt hat. Einige spekulieren, dass er gestorben sei. Aber die meisten mutmaßen, dass er sich immer noch auf dem Gelände aufhält oder zumindest in der näheren Umgebung. Pikant: Einflussreiche Politiker und Würdenträger sollen Mitglieder des Tempels sein und den Abt schützen. Die Dhammakaya-Bewegung wurde in den 1970er Jahren gegründet. Nach eigenen Angaben hat sie weltweit etwa drei Millionen Anhänger, auch in Deutschland. Dort betreibt sie sieben «Meditationszentren». Kritiker werfen der Sekte vor, von den Werten des Buddhismus abgekommen und allzu sehr an kommerziellen Dingen interessiert zu sein. Tatsächlich sind die Mönche beim Spendensammeln sehr aktiv. Für Haftbefehl und Razzia wäre das aber natürlich längst nicht ausreichend. Der Philosophie-Professor Suraphot Thaweesak meint aber auch, dass mehr als die Veruntreuungsvorwürfe dahinter stecken: «Die Razzia ist Teil der politischen und religiösen Reformen, die die Militärregierung betreibt, um das Land von korrupten Politikern und korrupten Mönchen zu befreien.» Kritiker halten dem entgegen, dass die Militärs so hart gegen die Sekte vorgeht, weil sie Verbindungen zur Pheu-Thai-Partei hat, die mit dem Putsch von 2014 gestürzt wurde. In dieses Bild passt, dass der neue König Maha Vajiralongkorn - im Amt seit Dezember - kürzlich für Thailands Buddhisten einen Obersten Patriarchen ernannte, der nicht der Wunschkandidat der oberen religiösen Instanzen war. Bei den Glaubens-Oberen hätte man wohl einen Mann mit guten Beziehungen zu Dhammakaya bevorzugt. Aus Protest sind einige Mönche inzwischen in den Hungerstreik getreten. An einem Telefonmast in der Nähe der Tempelanlage erhängte sich ein 64-jähriger Mann sogar. Dhammakaya-Sprecher Phra Sanitwong Charoenrattawong warnt deshalb: «Behandelt Buddhisten nicht, als ob wir Feinde wären, die eliminiert werden müssen.» Auf Facebook hielt ihm daraufhin ein Dhammakaya-Kritiker entgegen: «Bitte tut nicht so, als ob orangefarbene Gewänder ein Schutz wären. Religion und Gesetz sind unterschiedliche Dinge.» (Bild: Rainer Sturm/pixelio.de)



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