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Japans Branchenprimus übernimmt indonesische Bank

Bei Japans Banken ist von Krise keine Spur. Stattdessen expandieren sie im Ausland. Als jüngstes Beispiel dieses Trends will nun Japans grösste Finanzgruppe Mitsubishi UFJ (MUFG) die indonesische Grossbank Danamon übernehmen.

Seine Bank sei «vorsichtig optimistisch», mehr als 40% der achtgrössten Bank Indonesiens übernehmen zu dürfen, sagte Takayoshi Futae, der MUFG-Chef für Asien und Ozeanien. Die Übernahme sei ein äusserst wichtiger Teil in der Strategie der Bank in der Region.


Letztlich will die japanische Grossbank für rund 6 Mrd. $ insgesamt 73,8% der Anteile an Indonesiens sechstgrösster Kreditanstalt übernehmen. Die erste Tranche von 19,9% dürfte bereits in den kommenden Tagen abgewickelt werden. Im zweiten oder dritten Quartal hoffen die Japaner ihren Anteil auf die gesetzliche Obergrenze für ausländische Beteiligungen von 40% anzuheben. Darüber ist die Zustimmung der indonesischen Finanzaufsicht notwendig, die in der Vergangenheit allerdings schon Übernahmen zugestimmt hat.

Dies wird wohl nicht die letzte Milliardenübernahme einer japanischen Bank in der Region bleiben. «Es ist kein Geheimnis, dass Japans Banken sowohl die Kriegskasse wie auch das Verlangen haben, mehr strategische finanzielle Firmen in Südostasien zu übernehmen», meint der Bankenanalytiker Brian Waterhouse, der seit Jahrzehnten die japanische Finanzindustrie beobachtet.

Der Grund: Seit Jahren suchen sie im Ausland nach Erträgen für ihre Einlagen, weil die daheim immer weniger Gewinn abwerfen. Dort schrumpft nicht nur die Bevölkerung und damit tendenziell auch der Bankenmarkt. Auch die Profitabilität im Kreditgeschäft fällt nach fast 20 Jahren Null- und nun sogar Minuszins immer weiter. Gleichzeitig haben die Banken derzeit Geld, da dank Niedrigzinsen kaum noch Firmen in Konkurs gehen. Damit belasten immer weniger faule Kredite die Bilanzen.

Die Strategie ist allerdings zweischneidig. Erst Ende November hatte der Kreditbewerter Standard & Poor’s das Rating der MUFG erstmals seit ihrer Gründung im Jahr 2005 um einen Punkt auf A– gesenkt. Denn mit dem höheren Anteil des Auslandsgeschäfts wachsen auch die Risiken. Zudem glauben die Kreditbewerter, dass die MUFG ihre Positionen im Ausland ausdehnen werde, um die Erosion der Profitabilität in Japan wettzumachen.